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1935 Wilsterau am Helgenland, Frachtschiffe, Fischer-Kähne, Sportboote
Noch mit einem seiner ursprünglichen Funktion als Wasserstraße gerecht werdenden relativ breiten Wasserspiegel präsentiert sich die Wilsterau am Helgenland.
Rechts sind die Rückseiten der an der Deichstraße stehenden Häuser zu sehen.
Kleine Fracht-Ewer sowie ein Fischerkahn und zwei Sportboote haben am Ufer festgemacht.
In späterer Zeit wurde leider die Breite des Gewässers und somit seine Wasserfläche durch mehrere wasserrechtlich unzulässige Eingriffe erheblich eingeengt. Im Rahmen von Unterhaltungsarbeiten an der linksseitigen Uferbefestigung wurde das Ufer immer weiter in das ursprüngliche Gewässerprofil hinein verlegt - hierfür wären vorherige wasserrechtliche Verfahren erforderlich gewesen.
Bildrechte: nicht bekannt
ca. 1936 Außenhaupt der Schleuse am Kasenort (Bild 1 und 2)
Die Mündung der Wilsterau in die Stör war im Zusammenhang mit dem 1926 erfolgten Neubau der Schleuse am Kasenort verlegt worden.
Die neue erstellte Schleuse hat im Bereich ihrer Tore eine Durchfahrtsbreite von 7,00 m.
Das Binnenhaupt der Schleuse war seit dem Niedergang der Schifffahrt Mitte der 1960er mehrere Jahrzehnte lang funktionsuntüchtig und wurde erst in letzter Zeit in Folge des vorbildlichen Wirkens eines Fördervereins wieder hergestellt.
Die am Deich der Stör entlang laufende Straße - gleichzeitig Deichverteidigungsweg - überbrückt im Bereich der Schleuse die Wilsterau mit einer Klapp-Brücke (Bild 3).
Vom Außenhaupt der Schleuse kann man die mächtige Hodorfer Mäanderschleife der Stör gut überblicken (Bild 4). Das Bild verdeutlicht, weshalb die frühe sächsische bevökerung der Marschen den Fluß als Store (das heißt: die Große) bezeichnete.
Bild 1, 3 und 4: Bildrechte nicht bekannt
Bild 2: Bildrechte: Robert Friedrichs, Wilster - Sammlung Werner Behning
Anmerkung: Robert Friedrichs macht sich seit Jahren dadurch verdient, daß er alte Foto aus der Sammlung seines Großvaters Werner Behning als Repros alter Postkarten oder mittels des Alt-Wilster-Kalender interessierten Heimatfreunden anbietet. Wer diese oder von den Originalnegativen gezogene Fotografien erwerben möchte, den verweise ich auf die Seite Alt-Wilster
In Wilster beheimatete Binnenschiffe im Hafen am Brook.
Es ist gerade einmal einviertel Jahrhundert her, daß - so wie hier am 01. Juli 1984 - der Wilsteraner Hafen am Brook voller Schiffe der Wilsteraner Schiffer lag.
Leider ist dieser imposante Anblick heute schon lange Geschichte, nachdem die ungute Konzentrierung des Warentransportes weg von den Wasserwegen und hin zu den Straßen den Schiffern die wirtschaftliche Grundlage entzog.
Innerhalb eines kurzen Zeitraumes gaben nach und nach alle Wilsteraner Schiffer ihren angestammten Erwerb auf, ihre Schiffe wurden größtenteils verschrottet. Ein trauriges Kapitel auch für die Stadt Wilster.
Heute ist von den Wilsteraner Schiffern nur noch Peter Brandt mit seinem Sohn Thorge aktiv, denn ihnen gelang der Umstieg auf die Personenschifffahrt. Dieses nicht nur mit dem die Wilsterau befahrenden AUKIEKER, sondern mit den von Brunsbüttel aus fahrenden Schiffen GERMANIA und NORDSTERN. Mehr dazu findet man auf der Seite Personen-Schifffahrt-Brunsbüttel
Bild 1: Der Hafen am Brook
Bild 2: Vorn die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg; dahinter die PETER, Eigner Peter Brandt; hinten die OCEAN, Eigner Hans Ulrich
Bild 3: Bunkerboot HERZOGIN BRIGITTE
Bild 4: im Vordergrund eine Schute; links die LIANE, Eigner Karl Hugo Hein; dahinter die KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; rechts die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg
Bildrechte: André Konietzko, Elmshorn, der die Fotos freundlicherweise für diese Heimat-Seite zur Verfügung stellte
HERTHA - AXEL von WILSTER - MATHILDE
Ein Schiff - unterschiedliche Namen und Gestalt
Ein ganz besonderes Schicksal mit glückhaftem Ende durchlebte das Wilsteraner MS HERTHA.
Auf der Werft von J. Junge in Wewelsfleth wurde die HERTHA im Jahre 1914 erbaut für ihren Wewelsflether Eigner, den dort wohnhaften Schiffer Hermann Heinrich Willi Hein.
Die HERTHA war ein sogenannter „Lägerdorfer Ewer“, welche für die Fahrt auf dem engen Lägerdorfer Kanal bestimmte Maße nicht überschreiten durfte.
Der originale Bauplan der HERTHA, welche unter der Baunummer 217/1914 auf Kiel gelegt wurde, wird heute im „Deutschen Schifffahrtsmuseum“ in Bremerhaven verwahrt. Die HERTHA war nach ihrer Takelage ein Besan-Ewer; sie konnte 54 t tragen und hatte die Abmessungen 16,91 x 4,15 x 1,31 Meter.
Während des I. Weltkrieges war die HERTHA in Wewelsfleth aufgelegt, denn der Schiffer war zum Militärdienst eingezogen worden.
Die HERTHA war zunächst ein reines Segelschiff, welches auch für die Küstenfahrt eingesetzt werden konnte. Erst im Jahre 1927 erhielt die HERTHA auf der Peters-Werft in Wewelsfleth eine 28 PS starke Maschine; ihr Besan-Mast wurde beseitigt und Klüver- und Toppsegel abgeriggt. Gleichzeitig wurde das Schiff um 6 Meter verlängert und fortan nur noch als Binnenschiff registriert.
Die Bilder 1 und 2 zeigen die HERTHA im Jahre 1929 nach dem Umbau; die Familie des Schiffers hat sich auf dem Vorschiff aufgestellt.
Eine ihrer letzten Fahrten unter ihrem ersten Eigner führte die HERTHA nach Kiel; Bild 3 zeigt sie dort am 26.12.1951. Im Jahre 1952 setzte sich der alte Schiffer Hermann Heinrich Willi Hein nach über vierzigjähriger Fahrenszeit in Wewelsfleth zur Ruhe, wo er 1978 im Alter von 88 Jahren seine letzte Reise antrat.
Nach seinem Vater übernahm Karl Hugo Hein die HERTHA; das Bild 4 zeigt sie bei stürmischen Wetter auf der Elbe, offenbar in Höhe vom Leitfeuer "Pagensand Nord".
Bildrechte: nicht bekannt
Bilder und Informationen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
MS HERTHA - AXEL von WILSTER - MATHILDE
Neuer Eigner und Schiffer der HERTHA wurde der Sohn Karl Hugo des in den Ruhestand gegangenen Hermann Heinrich Willi Hein.
Der neue Eigner ließ bereits im August 1953 das Schiff erhöhen und um weitere vier Meter verlängern, wonach es 125 t tragen konnte; der neu eingebaute Motor hatte eine Leistung von 95 PS, er wurde 1964 durch eine 125 PS starke Maschine ersetzt.
Die Bilder 1 bis 3 zeigen die HERTHA bei ihrer Vergrößerung auf dem Helling der Peters Werft in Wewelsfleth
Das Bild 4 zeigt die HERTHA im Jahre 1953 nach der erfolgten Modernisierung.
Bildrechte: nicht bekannt
Bilder und Informationen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
HERTHA - AXEL von WILSTER - MATHILDE
Die jetzt in Wilster beheimatete HERTHA wurde im Jahre 1966 abermals vergrößert. Auf der Johann-Brockmüller Werft in Glückstadt wurde sie auf insgesamt 33,5 Meter Länge gebracht, wonach sie eine Tragfähigkeit von 154 t hatte. Die ursprüngliche Länge des Schiffes war somit fast verdoppelt.
Aus HERTHA wurde zu diesem Zeitpunkt die „AXEL von WILSTER“.
Das Bild 1 zeigt die AXEL von WILSTER ex HERTHA im Jahr 1967 inmitten eines Päckchens weiterer Binnenmotorschiffe - ganz links an der Brücke liegt die ebenfalls in Wilster beheimatete URSULA von Schiffer Suhl - vor der Schiffdorfer Schleuse in der Geeste sowie (Bild 2) an den Dalben. Von der Geeste ging es weiter im Verlaufe des Elbe-Weser-Schifffahrtsweges über den Hadelner Kanal zur Elbe bei Otterndorf.
Im Jahre 1968 wurde die AXEL von WILSTER ex HERTHA an den Mühlenbesitzer Hans Reimers in Kellinghusen verkauft, für den sie mit Setzschiffern besetzt bis 1982 fuhr. Danach wurde sie wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit und nachteiliger Veränderungen des Fahrwassers der Stör aufgelegt. Zur damaligen Zeit wurden fast alle alten Ewer abgewrackt.
Der AXEL von WILSTER ex HERTHA blieb dieses Schicksal erspart, sie wurde privat erworben und von dem neuen Eigner fast original in ihren ursprünglichen Zustand zurück gebaut. Nach dem auf der Werft von Günter Muche an der Dove-Elbe bei Hamburg Allermöhe durchgeführten Rückbau wies sie mit 18,5 x 4,2 x 1,35 Meter nahezu wieder ihre alten Maße auf, zudem wurde sie wieder als Besan-Ewer aufgeriggt. Es versteht sich von selbst, daß gleichzeitig das Schiffsinnere zeitgemäß und wohnlich umgestaltet wurde. Genau ein dreiviertel Jahrhundert nach ihrem ersten Stapellauf wurde der wundervoll wieder hergerichtete alte Ewer wieder seinem Element übergeben. Sie wurde umbenannt in MATHILDE
Seit 1993 ist der Heimathafen der MATHILDE ex AXEL von WILSTER ex HERTHA der Museumshafen Lübeck. Wenn sie nicht gerade in den Küstengebieten von Nord- und Ostsee unterwegs ist, kann sie dort in neuer alter Pracht bewundert werden (Bilder 3 und 4)
Bild 4 zeigt den Betreiber dieser Heimat-Seite vor der in Lübeck liegenden MATHILDE
Bildrechte Bilder 1 und 2: nicht bekannt
Bilder und Informationen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Bildrechte Bilder 3 und 4: Traute von Holdt, Tungeln
Die KASENORT im Wilsteraner Hafen am Brook.
Das 321 Ladetonnen tragende Binnenschiff KASENORT gehörte dem Wilsteraner Schiffer Werner Rogkensack.
Bild 1: KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; dahinter die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg
Bild 2: KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; dahinter die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg; dann die PETER, Eigner Peter Brandt; hinten die OCEAN, Eigner Hans Ulrich
In dem Wohnhaus im Hintergrund, dem Haus Mühlenstraße 5 wohnte von 1974 bis 1977 der Betreiber dieser Heimat-Seite, Peter J. von Holdt, mit seiner Familie.
Bild 3: Die KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; rechts davon die WEEKEND ex PIRAT, Eigner Willy Schwabe; hinten NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg
Bild 4: links NIXE; dahinter LIANE; rechts KASENORT; dahinter WEEKEND
Bildrechte: André Konietzko, Elmshorn, der die Fotos freundlicherweise für diese Heimat-Seite zur Verfügung stellte
Havarie und Untergang der "Liane" am 10.02.1969
Über viele Generationen hinweg und bis weit in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hinein prägten die in Wilster mit ihren Fahrzeugen beheimateten Schiffer Handel und Ansehen der Stadt.
Zu den die Schiffer Tradition tragenden Familien fallen mir folgende Namen ein: Bielenberg, Bösch, Brandt, Brügge, Groth, Grünberg, Hasch, Hein, von Holdt, Jürgens, Krumm, Maass, Rosenbaum, Schwabe, Suhl, Tietjen, Ulrich, Umland, Wicht, Winkler (wobei die Aufzählung natürlich nicht vollständig ist).
Von der Wilsteraner Flotte sind viele Geschehnisse belegt – von einem besonders dramatischen Geschehen berichten die Bilder.
Der aus Wewelsfleth stammende und in Wilster wohnhafte Schiffer Karl Hugo Hein (40) hatte in der zweiten Januar Woche des Jahres 1969 mit seinem erst seit einem halben Jahr in seinem Eigentum stehenden Frachtmotorschiff LIANE (335 tons) eine Ladung Tapioka Pellets aus Bremen geholt. Über den Hadelner Kanal von der Weser kommend war er am 10. Februar wieder in die Elbe gelangt. Eben oberhalb von Otterndorf kam in Höhe der Fahrwassertonne S (seinerzeit eine schwarze Spitztonne) plötzlich eine Nebelbank auf mit Sichtweiten von 50 bis 100 Meter, weshalb der Schiffer mit der LIANE außerhalb des Tonnenstrichs ging, die Fahrt aus dem Schiff nahm und es dort treiben ließ. Das Neufelder Kümo TOGO zog innerhalb des Tonnenstrichs fahrend an ihm vorbei und kam rasch außer Sicht.
Zur gleichen Zeit fuhr die zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel verkehrende Elbfähre WIKING bei Flut-Tide stromauf, als sie von dem schnelleren 5415 BRT großen norwegischen Motorschiff TRITON (Reederei Wilhelm Wilhelmsen in TØnsberg/Norwegen) überholt wurde. Der Norweger wurde bei der Revierfahrt von einem Seelotsen unterstützt. Die TRITON gab Nebelsignale, welche von der LIANE beantwortet wurden.
Für den Schiffer Karl Hugo Hein und seinen Jungmann Gerd Geißler (19) an Bord die LIANE blieb nur noch Zeit, volle Kraft achteraus zu geben und in aller Eile am Heck das Rettungsboot zu Wasser zu bringen, als die TRITON aus dem Nebel auftauchte und direkt auf sie zuhielt. Eine Kollision war unvermeidlich; sie geschah um 14:50 Uhr. Der Rammstoß der TRITON geschah mit solcher Gewalt, daß sie quer durch die LIANE hindurch lief und diese zweiteilte. Das Vorschiff der LIANE sank unmittelbar nach der Kollision. An dem langsam absackenden Achterschiff hatten sich der Schiffer und sein Jungmann festklammern können, wobei sie von dem eisigen Wasser der Elbe überspült wurden. Einige Habseligkeiten konnten noch geborgen und in das Rettungsboot geworfen werden, bevor auch Karl Hugo Hein und Gerd Geissler von Bord gingen. Wenige Minuten nach der Kollision zeigten nur noch ein paar Luftblasen an, wo die LIANE untergegangen war.
Bild 1 Ausschnitt aus einer Seekarte der Elbe (aus Die Elbe, Verlag Carl Griese, Hamburg)
Bilder 2 bis 4 Untergang der LIANE; Bildrechte nicht bekannt
die Unterlagen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Nachsatz: Die 1948 gebaute TRITON wurde noch 1969 nach Singapur verkauft, wo sie in APLICHAU umbenannt wurde
Untergang des MS LIANE und Rettung der Besatzung am 10. Februar 1969
Nach dem Untergang des Motorschiffs MS LIANE ruderten der sich in das Rettungsboot gerettet habende Schiffer Karl Hugo Hein zusammen mit seinem Jungmann Gerd Geißler zu der an der Unfallstelle eingetroffenen Elb-Fähre WIKING hinüber, die sie an Bord nahm.
Auch auf der TRITON war ein Rettungsmanöver eingeleitet worden; sie hatte Anker geworfen und ein Boot wurde zu Wasser gefiert. Das Manöver wurde jedoch gestoppt, als die WIKING bereits zur Hilfeleistung längsseit schor. Die WIKING brachte die Schiffbrüchigen nach Brunsbüttelkoog. Die TRITON setzte ihre Fahrt fort.
Über den Hergang der Havarie liegt der Bericht des Schiffers Karl Hugo Hein vor, in welchem dieser das Geschehnis schildert (Bilder 2 bis 4)
Bild 1 ; Aufgenommen von einem Passagier der Fähre WIKING
Bild 2 – 4 Havarie-Bericht
die Unterlagen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Bergung des MS LIANE am 10. bis 13. Februar 1969
Das nach dem Rammstoß der TRITON gesunkene MS LIANE war bei der Wilsteraner Schiffergilde „Die Eintracht“ versichert. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Havarie hat der tatkräftige Ältermann der Schiffergilde, Willy Jürgens, zusammen mit dem Gildeschreiber Peter Thomsen die Bergung des Havaristen bei der Hamburger Bergungsfirma Ulrich Harms in Auftrag gegeben.
Die riesigen Schwimmkräne MAGNUS III und MAGNUS V der Firma Ulrich Harms machten sich noch am selben Tag auf den Weg zur Unfallstelle. Taucher legten die Stroppen unter die Schiffshälften und schon bald hingen diese in den Stroppen.
Unter Assistenz des Schleppers ARGUS traf der riesige Kran MAGNUS III mit dem gehobenen Vorschiff der LIANE bereits am 12. Februar 1969 in Wewelsfleth an der Stör ein. MAGNUS V mit dem Achterschiff der LIANE folgte am Vormittag des 13. Februar 1969; die Schiffshälften wurden am Löschplatz neben dem Wewelsflether Fährdamm abgesetzt. In Wewelsfleth erfolgten auch die provisorische Abdichtung der Hälften sowie die Bergung von Ladung und Mobilien.
Bilder 1 bis 4 Bildrechte nicht bekannt
die Bilder wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Wrack des MS LIANE im Frühjahr 1969
Das in Wewelsfleth am Ufer der Stör abgesetzte Wrack – besser die beiden Hälften - des MS LIANE und die Verformungen des Rumpfes verdeutlichen, mit welcher Wucht der Rammstoß der TRITON erfolgte (Bilder 1 und 2).
Die Ladung aus dem stärkehaltigen Futtermittel Tapioka-Pellets (ein Produkt aus getrockneter Maniokwurzel) wurde auf das MS GABY umgeladen und von diesem nach Hamburg gebracht.
Die beiden Schiffshälften der LIANE wurden bei der Peters-Werft in Wewelsfleth provisorisch abgedichtet, wonach sie dann im März zur Reparatur zur Johann-Brockmüller-Werft nach Glückstadt geschleppt wurden. Die Bilder 3 und 4 zeigen die beiden Hälften der LIANE im Glückstädter Binnenhafen.
Auf Bild 3 sieht man den Schiffer und Eigner Karl Hugo Hein vor dem abgetrennten Achterschiff und des dahinter liegenden Vorschiff des Wracks.
Bildrechte nicht bekannt
die Bilder wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Reparatur des MS LIANE im Frühjahr 1969 in Glückstadt
Auf dem Helling der Werft von Johann Brockmüller in Glückstadt wurden die beiden Hälften des nach einer Havarie mit der norwegischen TRITON in zwei Teile zerschnittenen MS LIANE wieder zusammen gefügt.
Die Bilder 1 und 2 zeigen die Arbeiten an der Außenhaut des Schiffes; an der Backbordseite mußten 6 Meter und an der Steuerbordseite 13 Meter der Außenhaut erneuert werden.
Es versteht sich von selbst, daß sowohl das Logis im Vorschiff als auch die Wohnräume im Achterschiff sowie das Steuerhaus völlig neu hergerichtet werden mußten. Die Tischlerarbeiten wurden von der Glückstädter Jachtwerft Asmus durchgeführt.
Nach mehr als einem Vierteljahr nach der Kollision – eine harte Zeit, in welcher der Eigner keinen Verdienst erwirtschaften konnte – lag dann endlich Ende Mai 1969 die MS LIANE wieder in ihrem Heimathafen am Großen Brook in Wilster.
Bilder 1 bis 4 Bildrechte nicht bekannt
die Bilder wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Verhandlung der Havarie der LIANE vor dem Seeamt.
Die Verhandlung über die Kollision des norwegischen Dampfers TRITON mit dem MS LIANE fand am 27. März 1969 vor dem Hamburger Seeamt statt.
Das Seeamt bescheinigte dem Schiffsführer und Eigner des MS LIANE, Karl Hugo Hein, daß ihn an der Kollision kein schuldhaftes Verhalten traf; der Gutachter des Seeamtes, Konteradmiral a.D. Johannessen, bezeichnete ihn als einen erfahrenen und vorsichtigen Schiffer.
Das Seeamt kam zu folgendem Spruch: „Am 10. Februar 1969 gegen 14:50 Uhr ist das elbaufwärts fahrende norwegische Motorschiff „Triton“ unterhalb Belum mit dem bei der Leuchttonne treibenden Binnenmotorschiff „Liane“ zusammengestoßen. Die „Liane“ ist in zwei Teile zerschnitten worden und gesunken. Die Besatzung ist gerettet worden. Der Unfall ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß die „Triton“ mit zu hoher Fahrt in eine Nebelwand hineingelaufen ist, in der die „Liane“ schräge zum Fahrwasser trieb. Der Seelotse der „Triton“ hat sich insofern schuldhaft verhalten, als er nicht die durch die Umstände gebotene Vorsicht beachtet hat. Die Maßnahmen nach dem Unfall entsprechen der Lage.“
Die Schiffsführung der „Triton“ zu beurteilen, stand dem Hamburger Seeamt nicht zu.
Karl Hugo Hein fuhr die nach der folgenschweren Havarie wieder in ihre Funktionen versetzte "LIANE" bis in das Jahr 1987, wonach er sie dann veräußerte. Er selbst trat im Jahr 1994 seine letzte große Reise an.
Bild 1 zeigt die „LIANE“ in der Kammer der Schleuse am Kasenort; Bildrechte: R. Horstmann, Wilster
Bilder 2 – 4 zeigt einen Bericht aus dem VDK Heft „Deutsche Küstenschiffahrt“ Nr. 8 / August 1969, Verlag Gebrüder Kuhls, Hamburg
die Unterlagen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Die LIANE im Hafen am Brook in Wilster
Die Liegezeiten im Heimathafen in Wilster waren für die Wilsteraner Schiffer zumeist auch verbunden mit Pflegearbeiten an ihren Schiffen.
Von einem Behelfs-Floß aus versieht der Schiffer Karl Hugo Hein sein Binnenschiff LIANE mit einem neuen Überwasseranstrich, während seine Ehefrau Liane an Deck Pflegearbeiten verrichtet (Bilder 1 und 4).
Das stattliche Wohnhaus im Hintergrund (Bilder 2 und 3) links von der Schweinsbrücke steht im Eigentum des Ehepaares Hein.
Bildrechte: André Konietzko, Elmshorn, der die Fotos freundlicherweise für diese Heimat-Seite zur Verfügung stellte
MELPOMENE – CHRISTINA – EULE – MELPOMENE von STÖCKTE
Der letzte Fracht-Ewer auf der Wilsterau
Der eiserne Besan-Ewer MELPOMENE wurde 1895 auf der Werft von Ernst Niemand in Boizenburg (Elbe) für Rechnung des Lägerdorfer Schiffers Claus Lemburg erbaut. Mit den Abmessungen 17,93 x 4,12 x 1,31 war der 25 BRT große Ewer für die Fahrt auf dem Münsterdorfer Kanal und die dortigen Schleusen konzipiert. So wurde der auch als Seeschiff geeignete Ewer in der Folge überwiegend für den Transport von Zement aus Lägerdorf genutzt. Im Jahr 1909 erwarb der Sohn Johannes Lemburg die MELPOMENE von seinem Vater.
1926 erhielt das als reiner Segler betriebene Schiff den Heimathafen Wilster, als der Wilsteraner Schiffer Johannes Wicht es erwarb. Dieser ließ 1929 einen 12 PS starken Glühkopfmotor als Hilfsmotor einbauen, der Besan wurde abgeriggt. Bei einem Unglücksfall in Lägerdorf fand der neue Eigner den Tod, wonach dann die Witwe Maria geb. Bösch gemeinsam mit ihrem bereits zuvor den Ruhestand angetretenen Vater, Schiffer Hinrich Bösch, den Ewer weiter betrieb. Mit ihrem zweiten Ehemann, den Wilster Schiffer Emil Hasch, fuhr sie die MELPOMENE bis zum Beginn des II. Weltkrieges. Im Oktober 1938 kam es zu einer folgenschweren Havarie, als die MELPOMENE vor der Mündung der Stör während eines Sturmes auf ein Stack lief, vollschlug und sank. Der kleine Frachter konnte jedoch durch einen bewundernswerten Einsatz der Feuerwehr Wewelsfleth geborgen werden.
Während des Krieges lag die MELPOMENE in ihrem Heimathafen Wilster auf und ging erst 1947 nach der Rückkehr ihres Eigners wieder auf Fahrt. Der Schiffer Emil Hasch starb jedoch bereits 1949. Seine tatkräftige Frau Maria (Miethe) Hasch, verw. Wicht, geb. Bösch, erwarb daraufhin das Schifferpatent und führte die MELPOMENE allein über einen Zeitraum von zehn Jahren. Miethe Hasch war in dieser Funktion als Kapitänin eine ganz besondere Institution im Elbe-Revier und der Betreiber dieser Seite kann sich noch gut an sie erinnern.
Im Jahr 1960 erwarb der Müllermeister Martens von der Rumflether Mühle „Aurora“ die MELPOMENE. Umgetauft auf den Namen CHRISTINA wurde der Ewer über einen Zeitraum von 15 Jahren für den Transport von Müllereiprodukten eingesetzt; er war das letzte frachtfahrende Schiff auf der Wilsterau. Geführt wurde die CHRISTINA lange Zeit von dem Wilsteraner Schiffer Heino Brandt. Bild 2 zeigt die CHRISTINA an ihrem Liegeplatz in Sichtweite der Rumflether Mühle.
1976 wurde die CHRISTINA ex MELPOMENE an einen Liebhaber alter Schiffe verkauft, der sie unter dem Namen EULE wieder in ihren ursprünglichen Zustand als Ketsch getakelter Besan-Ewer annähernd auf die Ursprungsmaße zurückbauen ließ. Gegenwärtig wird das alte Schiff als MELPOMENE von STÖCKTE im Rahmen eines sozialen Projekts als lebendiges Museumsschiff restauriert; Heimathafen Stöckte bei Winsen (Luhe). Siehe dazu Marina Stöckte und dort die Information zur MELPOMENE von STÖCKTE
Der wieder verwendete Name MELPOMENE ist absolut passend für das alte Schiff. Melpomene „die Singende“ ist eine der neun Musen aus der griechischen Mythologie. Melpomene hat über lange Zeiträume Unglück und Leid gesehen; durch ihren Gesang transportiert sie neue Kraft in den menschlichen Geist und hilft so, den Stürmen des Lebens zu begegnen. Eine solche Geschichte hat auch der Besan-Ewer MELPOMENE.
Bild 1 Die CHRISTINA ex MELPOMENE in der Schleusenkammer am Kasenort
Bild 2 Die CHRISTINA ex MELPOMENE bei der Rumflether Mühle
Bild 3 die gleichnamige Galeasse Melpomene des Burger Schiffers H.F. Meyburg
Es gab in der Region ein weiteres Frachtschiff mit dem Namen MELPOMENE. Dieses war die in Bild 3 abgebildete geleichnamige Galeasse; sie war 1912 erbaut worden fuer den Schiffer H.F. Meyburg aus Burg in Dithmarschen. Dieses Schiff war wesentlich größer und hatte auch ein ganz anderes Heck. Meyburg liess sich 1938 in Beidenfleth ein neues Schiff bauen, welches ebenfalls wieder den Namen MELPOMENE bekam. Sein altes Schiff verkaufte er an Kapitän Theodor Behrmann aus Krautsand, der seine Neuerwerbung in TELSE INGE umbenannte.
1964 wurde das Schiff abgewrackt.
Bildrechte:
Bild 1 nicht bekannt
Bild 2 Cramers Kunstanstalt KG., Dortmund
Bild 3 nicht bekannt; es wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rudolf Böckmann, Burg / Dithmarschen
Die Informationen zur Burger MELPOMENE stammen von Herrn Andre Konietzko, Elmshorn
Die PETER ex CATHARINA im Hafen am Brook
Das Schiff war im niederländischen Hoogezand auf der Werft von J. Uvon im Jahre 1898 als 31 BRT große stählerne Tjalk erbaut worden. Für ihren Auftraggeber, den Schiffer Johann Laackmann, ging sie als CATHARINA auf Fahrt. Das in St. Margarethen (Elbe) beheimatete Schiff war 15,43 m lang und 4,13 m breit; es hatte einen Tiefgang von 1,67 m.
Nachdem die CATHARINA durch die Hände verschiedener Eigner gegangen war, wurde es am 14.02.1919 von dem Wilsteraner Schiffer Johannes Brandt erworben.
Die in ihren ersten Jahrzehnten als reiner Segler fahrende Tjalk wurde 1927 motorisiert. Das Schiff wurde danach mehrfach, so in den Jahren 1949, 1955, 1966 und 1970 verlängert und erhielt auch leistungsfähigere Maschinen.
Im Jahre 1962 wurde die CATHARINA umbenannt in PETER. Nachdem das Schiff im Jahre 1962 auch völlig neue Enden erhalten hatte, erinnerte nichts mehr an seine frühere Gestalt. Aber die Schiffer pflegten natürlich ihre Schiffe nicht aus Nostalgie, sondern sie waren gezwungen, sie immer wieder den sich ändernden wirtschaftlichen Anforderungen anzupassen. Die PETER des Wilsteraner Schiffers Peter Brandt hatte zuletzt eine Tragfähigkeit von 338 Ladetonnen.
Heute ist von den Wilsteraner Schiffern nur noch Peter Brandt (Enkel des Johannes Brand) mit seinem Sohn Thorge aktiv, denn ihnen gelang der Umstieg auf die Personenschifffahrt. Dieses nicht nur mit dem die Wilsterau befahrenden AUKIEKER, sondern mit den von Brunsbüttel aus fahrenden Schiffen GERMANIA und NORDSTERN. Mehr dazu findet man auf der Seite Personen-Schifffahrt-Brunsbüttel
Bildrechte: André Konietzko, Elmshorn, der die Fotos freundlicherweise für diese Heimat-Seite zur Verfügung stellte
PIRAT - WEEKEND I
Das Binnenschiff PIRAT gehörte dem aus Beidenfleth stammenden Wilsteraner Schiffer Willy Schwabe. Dieser hatte bereits als junger Mann das Schiff nach dem tragischen Unfalltod seines Vaters, des Schiffers Wilhelm Schwabe, im Jahre 1931 übernommen. Zuvor hatte er bei seinem Vater Seemannschaft gelernt und danach auf Küstenmotorschiffen seine Berufserfahrungen weiter entwickelt.
Die PIRAT ist 1912 im niederländischen Hoogezand auf der Werft von Hendrik Kroese als 37 BRT große Segel-Schute gebaut worden.
Im Laufe der Zeit ließ Willy Schwabe die Tonnage der PIRAT durch mehrere Umbauten von ursprünglich 70 auf 250 Tonnen erhöhen; gleichzeitig wurde die Motorleistung von 25 PS auf 210 PS gesteigert. Der Name des Schiffes wurde zuletzt von PIRAT in WEEKEND I geändert – dieser natürlich nicht englisch sondern auf Platt gesprochen.
Ende 1984 wurde die PIRAT abgewrackt.
Bestmann, Smutje und Decksjunge auf der WEEKEND I ex PIRAT war über einen Zeitraum von über 50 Jahren Fahrenszeit die Ehefrau des Schiffers, die ebenfalls aus Beidenfleth stammende Helene Schwabe geb. Tenzer. In den ersten sieben Jahren der gemeinsamen Fahrenszeit wohnte das Ehepaar ausschließlich auf seinem Schiff. Danach wurde zunächst in der Allee in Wilster eine Wohnung an Land bezogen und später in dieser Straße auch ein sehr geräumiges Haus erworben. Die Kinder des Ehepaares – vier Töchter – lernten die Schifffahrt von frühester Jugend an kennen. Da nimmt es nicht Wunder, daß drei von Ihnen später selbst Schiffer heirateten.
Bild 1 Die PIRAT bei Eisgang auf der Wilsterau am Bischof im Jahre 1954, Fracht für die Wilsteraner Futtermittel-Werke Günther & Co. transportierend.
Bild 2 Der Schiffer Willy Schwabe an Bord der im Hafen am Brook liegenden PIRAT; dahinter die LIDIA des Wilsteraner Schiffers Hein Bösch.
Bild 3 Der Schiffer Willy Schwabe mit seinen Töchtern Ursula und Liane auf der PIRAT im Ewer-Hafen in Hamburg
Bild 4 Die PIRAT, die Schleuse Lintig im Bederkesa-Geeste-Kanal verlassend.
Der die Elbe mit der Weser verbindende Elbe-Weser-Schifffahrtsweg zwischen Bremerhaven und Otterndorf, bestehend aus der Geeste, dem Bederkesa-Geeste-Kanal und dem Hadelner Kanal, wurde von der PIRAT bzw. späteren WEEKEND I vielmals durchfahren, insbesondere nachdem die Wilsteraner Schiffer wegen der immer schwierigeren Beschaffung von Frachtraten ihren Aktionsradius bis zum Rhein ausdehnen mußten.
Bildrechte: Familie Hein, Wilster
Die Fotos wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Die Schiffergilde "Die Eintracht" war eine im Jahre 1861 von den Wilsteraner Schiffern gegründete Versicherung auf Gegenseitigkeit.
Die Gilde der Schiffer veranstaltete in jedem Jahr Ende des Winters ihren Schiffer-Ball für ihre Mitglieder und Freunde.
Bei klingendem Spiel zogen zuvor die zahlreichen Mitglieder der Schiffer-Gilde mit einem Umzug durch die Straßen der Stadt Wilster. Vorweg trugen junge Schiffer die Vereinsfahne.
Am Abend des Tages fand dann der Schiffer-Ball in einem der damals noch zahlreichen Säle der Stadt statt; so 1956 im Gasthof "Zur Linde" von Peter Brandt am Kohlmarkt und 1957 im Gasthof "Holsteinisches Haus" von Johannes "Hanne" Holm an der Op de Göten.
Bild 1 1956 Der Umzug der Schiffer in Höhe der damaligen Städtischen Sparkasse am Kohlmarkt. Uwe Jürgens trägt die Vereinsfahne, rechts neben ihm Heino Brandt. In der Reihe dahinter in der Mitte Wilsters Bürgermeister Willy Oxwang als Ehrengast, links daneben Willy Jürgens, der Ältermann der Schiffer-Gilde.
Bild 2 1956 Einzug der Schiffer in das Festlokal "Zur Linde" am unteren Kohlmarkt. Zahlreiche Zuschauer säumen die Straße; darunter (an der Hauswand) Frau Hilda Lucht mit ihrem Sohn Reimer Lucht auf dem Arm (die spätere Schwiegermutter und der Schwager von Peter von Holdt, den Betreiber dieser Heimat-Seite)
Bild 3 1957 Die Fahnenträger (von links Heino Brandt, Uwe Jürgens, Peter Grünberg) der Schiffergilde vor dem Festlokal "Holsteinischés Haus" von Hanne Holm an der Op de Göten.
Bildrechte: nicht bekannt
Die Fotos wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Herrn Sönke Jürgens, Wilster
Die Schiffergilde "Die Eintracht" war eine im Jahre 1861 von den Wilsteraner Schiffern gegründete Versicherung auf Gegenseitigkeit.
Die Gilde konnte im Jahre 1961 - zu der Zeit gab es noch sehr viele Wilsteraner Schiffer und in Wilster beheimatete Frachtschiffe - ihr 100 jähriges Stiftungsfest begehen.
Das Jubiläum war Anlaß für ein großes Fest, an welchem die Schiffer mit berechtigtem Stolz auf ihre Traditionen, ihren Anspruch und ihre Leistungen zurück blicken konnten.
Leider führte in den beiden nachfolgenden Jahrzehnten die ungute Verlagerung des Warentransportes vom Wasserweg auf die Straße zu einem raschen Niedergang der Binnenschifffahrt. Nach und nach wurden nahezu alle kleinen Binnenschiffe abgewrackt, nur wenige entgingen diesem Schicksal und werden heute als Traditionsschiffe liebevoll gepflegt.
Die Wilsteraner Schiffer-Gilde sollte in der Folge ihr 125jähriges Jubiläum nicht mehr erreichen.
Bild1 Auf der Freitreppe des Neuen Rathauses würdigt vor der auf dem Platz davor versammelten Gilde und vielen Zuschauern der Wilsteraner Bürgervorsteher Karl Huusfeld die Schiffergilde. Aufmerksame Zuhörer sind der Ältermann der Schiffergilde Willy Jürgens und der Fahnenträger Heino Brandt sowie zwei Fahnen Damen.
Bild 2 Bürgermeister Willy Oxwang überreicht der Gilde eine neue Fahne, denn die Stadt Wilster war sich der Bedeutung der Wilsteraner Schiffe für die Belange der Stadt immer bewußt. Auf der Fahne in den Landesfarben blau weiß rot prangt über einem Anker das Wappen der Stadt Wilster; dazu der Wahlspruch: Einer für Alle, Alle für Einen
Bild 3 Ältermann Willy Jürgens hält seine Dankesrede
Bild 4 und er verweist auf die enge Bindung zwischen den Schiffern und der Stadt Wilster
Bildrechte: unbekannt
Die Bilder wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Die Wilsteraner Schiffergilde "Die Eintracht" feierte 1961 ihr 100 jähriges Stiftungsfest.
Angeführt von einer Musikkapelle marschieren die Mitglieder der Gilde durch nahezu alle Straßen der Stadt Wilster.
Bild 1 Der großen Menge der Wilsteraner Schiffer werden die neue und die alte Fahne der Gilde voraus getragen. Die neue Fahne trägt Heino Brandt, flankiert von Ingrid Hintz geb.Schwabe und Sylvia Block geb. Schwabe. Der Umzug führt hier durch die Mühlenstraße.
Bild 2 Der Fest-Umzug der Wilsteraner Schiffer am Markt vor dem Geschäft von Textilhaus Reese
Bild 3 Aus dem Landrecht kommend marschieren die Schiffer in die Deichstraße, etwa in Höhe der Abzweigung der Einmündung der Etatsrat Michaelsen Straße. Links die heute nicht mehr bestehenden Gebäude der Lebensmittel-Großhandlung Musfeldt.
Bild 4 Schirmmütze oder Hut, ein Schiffer ging nicht ohne Kopfbedeckung. Hinten rechts mit dem auf halb acht gesetzten Hut der Schiffer Hans Ulrich, mit welchem den Betreiber dieser Seite eine nette Kindheitserinnerung verbindet. Viele Wilsteraner Schiffer ließen Tischlerarbeiten an ihren Schiffen von dem Tischlermeister Heinrich von Holdt, meinen Vater, verrichten. Hans Ulrich war ein kantiger, jedoch sehr freundlicher Mann. Wenn er zu uns kam, begrüßte ihn mein Vater auf Platt mit den Worten: "Moin Hans, kumm näger!" In der Folge war er für mich der "Neger" - Hans Ulrich konnte darüber herzhaft lachen - aber es dauerte lange, bis die Erwachsenen mitbekamen, worin die Ursache für diese Bezeichnung lag.
Bildrechte: nicht bekannt
Die Fotos wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Umzug der Wilsteraner Schiffer-Gilde "Die Eintracht" durch die Straßen der Stadt anläßlich ihres 100 jährigen Stiftungsfestes
Bild 1 Umzug der Schiffer in der Hans-Prox-Straße (früher "Hinter der Stadt")
Damals grüßten bei festlichen Veranstaltungen in Wilster von vielen Häusern, vornehmlich von denen in der Innenstadt, die Schleswig-Holstein Flagge. Dieser schöne und der gesamten Stadt ein freundliches und festliches Gepräge gebende Brauch wird heute leider nur noch von sehr wenigen Hauseigentümern ausgeübt - das ist sehr schade!
Bild 2 Begleitet wurde jeder Umzug in der Stadt Wilster von einem mitmarschierenden Polizisten; hier begleitet der Polizist Hermann Thie den Umzug in der Hans-Prox-Straße. Links ist die Wilsterau erkennbar und ganz links die Rückseite des Gebäudes der "Adler-Lichtspiel" von Heinrich Hülsing.
Bild 3 Rückwärtig gesichert wurde der Umzug durch den "Lumpensammler"; der Umzug führt hier durch die Hans-Prox-Straße
Bild 4 Festumzug der Schiffer in der Rathausstraße
Bildrechte: nicht bekannt
Die Fotos wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Die Wilsteraner Schiffer-Gilde "Die Eintracht" feierte 1961 ihr hundertjähriges Stiftungsfest.
Bild 1 Auf der Freitreppe an der Rückseite des neuen Rathauses haben sich in beeindruckend großer Anzahl die Mitglieder der Schiffergilde mit ihrem Ehrengast, Bürgermeister Willy Oxwang (mit hellem Mantel und Hut in der unteren Reihe mittig) aufgestellt. Neben dem Bürgermeister der Ältermann der Gilde, Willy Jürgens. In der Reihe darüber etwas weiter links, der Wilsteraner Marine-Maler Richard Peters (mit Bart und Mütze).
Bild 2 Am Abend des Jubiläumstages wurde im Saal des Colosseum ein Festball veranstaltet. Die Bühne des Festsaales war mit einer von Marine-Maler Richard Peters geschaffenen Abbildung eines typischen Elb-Ewers dekoriert.
Bild 3 Neben dem Vorstand der Schiffergilde haben die Ehrengäste Bürgermeister Willy Oxwang sowie Bürgervorsteher Karl Huusfeldt mit Ehefrau einen Ehrenplatz erhalten. Der Tisch ist mit Flaggen Schleswig-Holsteins dekoriert.
Bild 4 Der Schipper-Ball war ein jährlich wiederkehrendes Ereignis im gesellschaftlichen Leben der Stadt Wilster. Er fand regelmäßig eine Woche vor dem Ball der befreundeten Segler in demselben Festlokal statt, so war eine ökonomische Verwendung der maritimen Dekoration möglich.
Hier haben die Schiffer mit ihren Damen in "Wilsteraner bunter Reihe" an der Tafel Platz genommen.
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Die Fotos wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
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